Resonant Dowland

2021

RESONANT DOWLAND

Songs For Tenor And Electronics

The Album

Resonant Dowland represents an individual and contemporary interpretation of the songs of Renaissance composer John Dowland. His songs, flying in from the past, become completely subjective by their full integration into an electronically generated world of sound where they are absorbed structurally, gesturally and sonically. This digital recomposition and the aura of Dowland`s songs meld together in a surprising, gentle and respectful, even symbiotic way. The resounding fragments from a mysterious past find their echo in the acoustic chamber of our present world, which receives them into its own digitally-processed musical space without endangering their centuries-old magical essence. Resonant Dowland connects a creative musician of the Elizabethan age, on the threshold of discovering musical individuality, with his colleague who, separated by centuries, lives in an age of digital absorption of sound, in music whose unequal layers shine iridescently through each other. The central idea of this electronic renaissance could be represented by the image of the palimpsest, the res facta of the past, that has seen several lives.

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Audio Samples

Booklet of the album

Containing:
Photo series “Licht/Light“ 2014 by Gustav Franz, Lyrics, Essay “Palimpsest” by Christian Lemmerich

Reviews

Nomination for "Preis der deutschen Schallplattenkritik" second quarter 2021
Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) 21.1.2021 | Eva-Maria Magel

Steht dieses lyrische Ich in einer alten Fabrikhalle? So klingt es, wenn die betörende Stimme „Flow My Tears“ intoniert. Hier ein Schaben, dort ein leichter Hall, hier so etwas wie ein zerborstenes Fenster. Der einsame Sänger aus dem frühen 17. Jahrhundert, eine geniale Inszenierung des höfischen Frühbarock, scheint in einem Eisenwerk des frühen 20. Jahrhunderts zu stehen, während die Relikte der Industrie leise vor sich hin knarren. Es sind vor allem die Orte der Moderne, bisweilen aber auch Natur, die John Dowlands berühmte Lieder sanft in unsere Gegenwart heben. Die Betonung liegt auf sanft. Denn es mag hier mal krachen und dort knarren, es gibt auch zackige Beats. Aber am Wohlklang dieser fast ätherischen Stimme rührt fast nichts. „Resonant Dowland. Songs for Tenor and Electronics“ nennt Matthias Engelke sein Solo-Debüt, soeben als CD erschienen beim für experimentelle Tonkunst bekannten Hanauer Label Gruenrekorder und auf Downloadplattformen erhältlich. Resonanz zu erzeugen ist Engelkes Anliegen mit diesen Über-Kompositionen oder vielmehr: Resonanzräume.

In zwölf Tracks aus Dowlands Songbooks (1600 bis 1610) wandern die Hörer durch zwölf Klangraumwelten. Der Gesang selbst wird zuweilen transponiert und überlagert, mal in räumliche Effekte gebracht, aber nie fragmentiert, zerschlagen, dekonstruiert. Engelke baut lieber, als dass er auseinanderbaut. Sein räumliches, theatrales Denken, das für jeden der Songs regelrecht eine Bühne erfindet oder findet, den die Zuhörer ausmessen können, hat seine Gründe. Engelke, 1972 in Stuttgart geboren und seit gut zwölf Jahren in Frankfurt ansässig, hat in den vergangenen fast 20 Jahren hauptsächlich für Tanz und Schauspiel komponiert. Das Denken in Raum und Bewegung ist ihm beim Komponieren zur zweiten Natur geworden. Wobei Musik für ihn vor allem eine digitale und elektronische Angelegenheit ist. Immer mal wieder, als Teil eines Ensembles oder in Inszenierungen, sitzt Engelke zwar am Flügel. Aber schon Anfang der neunziger Jahre hat er die elektronische Musik für sich entdeckt. Glücklicherweise. Das passt zu seiner Doppelbegabung. Als Kind einer professionellen Musikerin und eines Physikers, der stets auf hohem Niveau musizierte, hat Engelke die Faszination beider Welten früh schätzen gelernt. Die Mutter, bis heute tätige Flötistin, Gründerin und Betreiberin einer Akademie für Alte Musik, und der Vater, der in der Informatikindustrie arbeitete, haben ihn von klein auf mit klassischer und Barockmusik umgeben, das Klavier wurde sein Instrument. „Bis zum 15. Lebensjahr war ich mit nichts anderem in Berührung“, sagt Engelke. Ein prägendes Erlebnis unter vielen: Die Mutter konzertierte mit einem britischen Lautenisten und Sänger mit Dowland-Songs. „Seither habe ich Dowland im Hinterkopf“, sagt Engelke. Mehr als 30 Jahre später ist aus der frühen Liebe nun das erste Solo-Projekt geworden. Damals, als Jugendlicher, entflammte er gerade für den Jazz, und als für den Abiturienten im Grunde nur noch die Frage war, an welchen Musikhochschulen er sich bewerben würde, als Schulmusiker oder Jazzpianist, siegte doch die Leidenschaft für die Naturwissenschaft, er studierte Biologie und Chemie, eine Promotion in Biochemie, Schwerpunkt Virologie, schloss sich an. Elektronische Musik und Komposition, die ihn früh faszinierten, ließen sich damit verbinden. „Mit Elektronik braucht man keine Anbindung an eine Szene, man ist autark“, sagt Engelke. „Ich brauche beides. Ich denke naturwissenschaftlich, auch im Umgang mit Technik und kompositorisch.“ Seine Beschreibungen von Linien, Polyrhythmik, Phasenverschiebungen in seiner digitalen Kompositionstechnik speisen sich aus der Naturwissenschaft, sie prägen seinen Umgang mit dem Klang- und Bewegungsmaterial.

Wenn andere in der Freizeit die Füße hochlegen, komponiert er am Computer. Er benötige nicht viel Schlaf, sagt Engelke schlicht. Als Doktorand in Heidelberg lernte er die Choreographin Irina Pauls kennen. Tanz hatte ihn bis dahin kaum interessiert, der Versuch aber, in Bewegung, Musik, Raum etwas Neues und Eigenständiges zu schaffen, faszinierte ihn. Und Pauls schätzte seine Musik: Schon Engelkes erstes Stück als Bühnenmusiker mit Pauls 2002/03 am Theater Heidelberg war ein großer Erfolg. Seither arbeitet er immer wieder mit Pauls zusammen, die von Leipzig aus choreographiert, er ist gefragt als Bühnenmusiker für Tanz und Theater, unter anderem am Schauspiel Frankfurt, für ortsspezifische Performances und Installationen. Engelke engagiert sich im Verein Phonophon für experimentelle Musik, konzertiert in unterschiedlichen Konstellationen, war etwa bei der Ausstellung „Big Orchestra“ in der Schirn dabei. Mit Lasse-Marc Riek, dem Mitgründer des Labels Gruenrekorder, hatte Engelke schon vor seinem Solo-Debüt gearbeitet: Riek hat sich mit dem Schwerpunkt Field-recording einen Namen gemacht, er sammelt die Geräusche der Welt und präsentiert sie unter anderem in Klanginstallationen. Die beiden planen eine Verbindung von Rieks Aufnahmen mit Engelkes Elektronik als Live-Konzert in besonderen Räumen. So kam „Resonant Dowland“ unter Rieks Label-Dach. Das Book- let ist ein regelrechtes Künstlerbuch geworden, mit Fotoarbeiten von Gustav Franz und einem Essay des Würzburger Musikwissenschaftlers Christian Lemmerich. Engelke war wichtig, dass die beiden befreundeten Mitgestalter völlige Freiheit der Interpretation seiner Musik hatten. Lemmerich lieferte ihm mit seinem Essay den Begriff für das, was er schon zuvor geschaffen hatte: ein Palimpsest.

„Überschreiben“ bedeutet im Kontext von Engelkes wissenschaftlicher Welt etwas anderes, und auch Corona bedeutet für den Wissenschaftler Engelke etwas völlig anderes als für den Musiker Engelke – plötzlich war, in der Pandemie, für ihn auch der Moment da, sich älterem Material zu widmen, vor allem Musik, die rund um Pauls’ Choreographien entstanden ist, von Kooperationen mit thailändischen Musikern bis zu Anklängen von Pop. Auch jenen Dowland-Überschreibungen, deren erste 2013 für ein Pauls-Stück entstanden waren und die Engelke weitergeführt hat. Die lange gehegte Idee, eine eigene Produktion vorzulegen, nahm Gestalt an. Jetzt denkt er schon an weitere Alben. Das Material sei da, bearbeitet, praktisch fertig. Und jetzt wisse er ja, wie es gehe, sagt Engelke.

Mannheimer Morgen (25.5.2021) | Hans-Günter Fischer

Das Porträt: Der Komponist Matthias Engelke bearbeitet 400 Jahre alte Lautenlieder von John Dowland elektronisch Renaissance im Klanglabor

Mit Matthias Engelke kann man sich über viele Dinge unterhalten. Unter anderem über „post-petrarcistische“ Gedichte, Minnelieder und Miles Davis. Aber auch über Corona: Engelke, ein Komponist und Sounddesigner, der gerade eine Aufnahme von elektronisch überarbeiteten Lautenliedern von John Dowland auf den Markt gebracht hat, hat nämlich Molekularvirologie studiert. Er deutet an, dass er in dieser Pandemie-Zeit ungefähr auf einer Linie mit Karl Lauterbach und Christian Drosten liege. Engelke bedauert, dass die rationale, wissenschaftliche Betrachtungsweise in der öffentlichen Diskussion oft einen schweren Stand habe. Beim Telefongespräch mit ihm fällt die Verständigung indessen leicht: „Dann doch lieber über John Dowland reden.“ Engelkes CD basiert auf der Musik zu einer schon 2013 aufgeführten Tanztheaterproduktion, auch wenn sie später für die Tonaufnahme substanziell verändert wurde. Als „Hauskomponist“ (das Wort klinge ein wenig altbacken, beklagt er sich) der auch in Heidelberg sehr gut bekannten Tanztheatermacherin Irina Pauls ist Engelke schon um die 20 Mal hervorgetreten. Doch zum ersten Mal erscheint das nun als Tonträger, mit Ende 40 debütiert Matthias Engelke als Platten-Interpret. Warum? Wohl auch, weil Dowland, dieser alte Meister aus der Shakespeare-Zeit um 1600, eine alte Jugendliebe von ihm ist: Er war damals erst 16, und er hörte eher – „Hardcore“, wie er sagt – die Platten von Miles Davis. Aber seine Mutter war Alte-Musik-Flötistin, schrieb als solche sogar Lehrbücher, deshalb begegnete er irgendwann auch Dowland. Es war eine tiefe, prägende Erfahrung, Engelkes CD „Resonant Dowland“ ist auch eine Reise in die eigene Erinnerung. Und eine in die späte Renaissance, in Dowlands bittersüße Welt aus 1000 Tränen, voller stilisierter Traurigkeit. Aber die Resonanzen sind zugleich (Theater-) räumlicher Natur, Bühnen-Erfordernisse und -Erfahrungen fließen mit ein. Die Laute hat Matthias Engelke gestrichen, er hat Dowlands Lieder für Tenorstimme und Elektronik eingerichtet. Die Tenorstimme ist großartig, bestechend klar und dennoch anrührend lässt sie den originalen Zauber der Musik Ereignis werden. Ungenannt bleibt rätselhafterweise, wer der Eigentümer dieser Stimme ist. Doch Engelke setzt uns ins Bild: Der Jungtenor der Bühnenproduktion von damals ist inzwischen ein gefragter Oratoriensänger, eine Agentur hütet sein Image und will eher nicht, dass es mit solchen künstlerischen Wagnissen verbunden wird. Wir haben seinen Namen zwar inzwischen recherchiert. Aber wir wahren seine Anonymität. Matthias Engelke umgibt die hell und warm timbrierte Stimme nun mit seiner Elektronik, die mit manchmal perkussiver Energie aufwartet, aber überwiegend karg-geräuschhaft bleibt und Dowlands Melodien nicht mit Harmonien unterfüttert. Welten treffen aufeinander, es wirkt anfangs wie Musik von jeweils anderen Planeten. Ein Verlust an Wärme könnte drohen, in gewisser Weise ist das, was wir hören, eine musikalische Versuchsanordnung des studierten Chemikers und Biologen Engelke. Er sagt, dass dieser Hintergrund für seine künstlerische Arbeit durchaus wichtig sei und seinen „Umgang mit Strukturen“ inspiriere: „Abstraktion ist eine tolle Sache.“ „Come Again“, der vielleicht größte Dowland-Hit, wird fragmentiert, hier wird auch ausnahmsweise die Gesangsspur aufgebrochen und verfremdet. Doch das sei der liebestollen Dringlichkeit des Lieds geschuldet, sagt der Komponist. Er fasst die Vorlagen halt doch nicht mit Laborhandschuhen an. Wenn sich der Hörer an das Vorgehen Matthias Engelkes gewöhnt hat, wird ihm immer klarer, dass die Vorlagen und die Bearbeitungen ein symbiotisches Verhältnis pflegen. Engelke bevorzugt für das Resultat den schönen, alten Ausdruck „Palimpsest“: Er überschreibt und übermalt also das Vorgefundene und Überkommene. Gibt es Verbindungen zur populären „Recomposed“-Methode von Max Richter – die selbst die „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi noch ein bisschen populärer machen will, als sie längst sind? Da rümpft Matthias Engelke am Telefon die Nase: Nein, mit Richter möchte er doch lieber nicht in einen Topf geworfen werden. Braucht der „English Orpheus“ Dowland fremde Hilfe überhaupt? Im Grunde nicht. Die elegante, zeitlose Melancholie der Lieder führte spätestens mit den Bearbeitungen Benjamin Brittens zu einer bis heute virulenten Dowland-Renaissance. Selbst Popstar Sting hat ihr gehuldigt. Engelke hat seinen eigenen, sehr individuellen Weg gefunden. Er sucht Nähe und wahrt doch Distanz.

Fono-Forum (Ausgabe 06/2021) | Bernd Feuchtner

Resonant Dowland. Dowland/Engelke: Songs For Tenor And Electronics (2020); Gruenrekorder – John Dowlands Lautenlieder sind beliebt und wunderschön. Doch schon im Elisabethanischen Zeitalter galt der Prophet nichts im eigenen Land. Dowland verbrachte die meiste seiner produktiven Zeit an kontinentalen Höfen. Die von Elisabeth verweigerte Stelle des Hoflautenisten erhielt er erst von James I. Es waren vor allem Percy Grainger und Benjamin Britten, die ihn mit ihren Bearbeitungen wieder bekannt machten, und der Counter-Pionier Alfred Deller nahm Dowland-Songs auf Platte auf. Die Lieder haben ihren eigenen Zauber, für den die jugendliche, schöne und ausdrucksstarke Tenorstimme von Matthias Engelke wie geschaffen scheint. Vor allem aber hat Engelke zwölf Dowland- Songs in seine eigene, moderne Musikwelt gezogen. Er begegnet ihnen mit Respekt, verwandelt sie sich aber an und ersetzt die Laute mit heutiger zartfarbener Elektronik. Sanft sind Melodie und Timbre, aber sie halten den elektronischen Klängen mühelos stand. Die Reibung zwischen der modernen perkussiven Energie und der eleganten Melancholie Dowlands verhindert, dass die Musik zur hübschen Klangtapete wird. Auch die Stimme wird bisweilen elektronisch bearbeitet – die Aufzeichnung entstand ursprünglich für einen Tanzabend von Irina Pauls. Bekannte Hits offenbaren im offenen Resonanzraum lähmende Einsamkeit wie „Lacrymae“ oder ruhelos trommelnde Liebesabenteuerlust wie „Come Again“. Dann führt Engelke kühl das Spiel des Betrugs vor („White As Lilies“) oder gerät außer sich vor Freude wie in „Fine Knacks For Ladies“. Vor allem lässt Matthias Engelke die Lieder einfallsreich ausschwingen und führt sie damit nachdrücklich in seine Welt. Eine hörenswerte Resonanz ferner Schönheit im Universum eines Musikers unserer Zeit.

Now, this is something rather different from German field recording/ sound art label Gruenrekorder- an album’s worth of modern/ avant-garde takes on songs from the Renaissance period, created by the use of male tenor vocalising and experimental electronics. All making for an album that very much feels like it’s in its own strange reality- somewhere between the 16th century and glitched-up future.

The release appears in the form of a twelve-track CD. It’s presented in a four-panel digipak, which features a thirty-six-page booklet- that takes in a blend of moody, if abstract photos, and the full texts for the songs. So as we’ve come to expect from the Gruenrekorder, a nice arty presentation.

Matthias Engelke is a German composer and sound artist, who has been active Since the early 2000s. His work is often based around experienced or imagined interaction between music and sound with a physical space or concert space. Along with this, he homes on the interaction between music/sound and dance/movement- influencing both the textural and sonic qualities of his sound art. In recent years, he’s used live electronics in his music performances- with a lot of his work falling in the field of dance and theatre productions. As far as I can gather via Discogs(I know it’s not always accurate) Dowland is his first release, and if that is the case this is most impressive.

All the tracks here are reworkings of tracks by Irish 16th-century composer John Dowland (1563 –1626), who is known most for his more melancholic compositions/ songs. The twelve original tracks here date from between the late 1500s and early 1600s, though as you can imagine with the use of electronic textures & treatments, they sound rather different, though the tenor work is largely authentic, and sounds of the period.

The twelve tracks have runtimes between two and eleven minutes, and they are varied enough in their pace/ blend of elements. We go from lighting knocking to escalating beat craft, low-key stabbing-to-sudden darting electro texturing and bass drill of “ Sorrow, Stay”. Onto sustained synth whine-meets-glumly bowed string and distant ping-pong beat-work of “Go Crystal Tears”. Through to the more rapid and almost jiving vocal cadence of “White As Lilies Was Her Face”, with its blend of clip-clopping & hissing beat work, reduced bass groove, and waving & woozy synth vibes & sampled clunking percussion.

Resonant Dowland is certainly not what one normally expects from Gruenrekorder, and it’s great to see the label expanding the type of release they put out. All told it’s an album that mangers to blend together convincing and effectively the 16th century with more experimental, though largely structured and atmospheric electronic treatments.

Classical purists might balk at the idea of giving John Dowland songs an electronic makeover, but they would be wrong to dismiss Matthias Engelke’s project out-of-hand. While his ‘digital recomposition‘ of the Renaissance composer’s material is thorough, it’s not disrespectful, and the results repeatedly reveal the care with which the German sound artist has crafted the twelve productions. Engelke ensures the songs don’t get lost, even when the arrangements re-position them within digitally sculpted spaces. The temporal divide separating Dowland’s time and ours collapses in these treatments; at the same time the electronic intervention can’t help but put distance between them, and as a result balance and tension are both present. Such melding of analog-generated and electronic material has been, it seems, a long-standing area of interest for the producer.

Rather than overwhelm the male singer’s voice, Engelke smartly opts for a stripped-down electronic design; consistent with that, he generally refrains from manipulating the voice, though in a few places it’s subjected to bold stutter-funk treatments to reinforce the pulse of the rhythm track. In general, however, the singer’s original delivery remains intact, with Engelke’s newly created backing the radical contemporary component. The combination is so seamless, the result could convincingly pass for a live duo recording by a vocalist and electronic producer. A range of moods and styles is explored, with everything from lamentations to buoyant celebrations featured.

With the vocals removed, “Sorrow, stay,” “Lady if you so spite me,” and “Fine knacks for ladies” wouldn’t sound dramatically unlike the kind of pulsating electronic material someone like Carsten Nicolai might create under the Alva Noto guise. However one feels about the extensive doctoring applied to the voice for “Come again: Sweet love doth now invite,” there’s no denying the infectious propulsion of the backing track; the cut’s so driving, in fact, one could imagine it filling a club floor. In stark contrast to it, “The lowest trees have tops” stands out for its acoustic arrangement, with strums and strings providing a rustic backdrop. “Go crystal tears” also merits mention for the fine cello playing of Axel von Huene, the only time a musician other than Engelke appears (the singer aside).

At eighty minutes, there’s a lot to absorb, but Resonant Dowland is never boring. As Christian Lemmerich states in an essay included with the release, the project connects “a creative musician of the Elizabethan age, on the threshold of discovering musical individuality, with his colleague who, separated by centuries, lives in an age of digital absorption of sound, in music whose unequal layers shine iridescently through each other.” It’s a fascinating project by Engelke, but one also marred by a questionable omission: the vocal dimension is pivotal to the outcome, yet the vocal credit reads “Classical voice recorded 2013.” Surely the singer—Peter Pears, or someone who sounds very much like him—warrants identification.

CD Tipp: „Resonant Dowland“ Matthias Engelke
Shakespeare und sein Zeitgenosse John Dowland sind heute immer noch aktuell. Shakespeares Dramen werden auf allen Bühnen der Welt gespielt. Und John Dowland? Auf LastFM, nur als Beispiel, haben seine Lieder in diesem Jahr 102.000 Hörer gefunden. Das finde ich beachtlich. Wie können neue Hörer einen Zugang zu seinen Liedern finden? Eine interessante und sehr hörenswerte Möglichkeit hat Matthias Engelke mit seinem Projekt „Resonant Dowland“ gefunden.

Ich möchte mich recht herzlich bei Matthias Engelke bedanken, dass er mir auf meine Fragen sehr umfangreich geantwortet hat und ich diese hier einbinden kann.

Schon in seiner Jugend ist Matthias Engelke mit der Musik von John Dowland in Berührung gekommen. Seine Mutter, die Barock Flötistin ist, führte mit u.a. Bob Spencer ausgewählte Songs von John Dowland auf, wie „In darkness let me dwell“ oder „Come again“. Der Zauber dieser Musik faszinierte ihn schon damals.

„Diese Faszination hat bis heute angehalten und sich noch gesteigert, nachdem sich neben der Wertschätzung der musikalischen Raffinesse seiner Songs auch ein zunehmendes Verständnis für den Inhalt, Gestaltung und Vertonung der kunstvollen Texte einstellte. In der deklamatorischen Vertonung der Lyrik der Renaissance bilden Text und Melodie eine außergewöhnlich homogene Einheit, die sich selbst in dem gänzlich anderen klanglichen wie ästhetischen Kontext meiner elektronischen Klangwelt ihre Wirkung bewahrt. Diese Einheit von Melodie und Text habe ich auch bei Resonant Dowland bewusst intakt gelassen.“ Matthias Engelke

Dieses Einbinden in die eigene Klangästhetik ist sehr reizvoll. Man hört den barocken Stil stets in der Melodie und das Ganze wird auch noch hervorragend gesungen. Durch die Verarbeitung und das Herausschälen wird Dowlands Musik neu erfahrbar. Die elektronischen Klänge lassen ganz neue Atmosphären zu. Ein eigenständiges Werk entsteht. „Flow my Tears“ klingt wie ein Erinnern an jene frühen Konzerte. Ein Nachhall der frühen Konzerterlebnisse, der sich durch die vielen Jahre verändert und jetzt einen neuen Weg gefunden hat. Sehr gut ist auch das Nutzen der Stimme als Material, wie es Matthias Engelke hier anwendet, bewusst und liebevoll, ja liebevoll, wird hier der Gesang in neuen Kontext gestellt und eröffnet uns vielfältige Assoziationsmöglichkeiten. Ein weiteres gutes Beispiel für diese Arbeit mit der Stimme wäre auch „I must complain“.

Beim Komponieren von Bühnenmusiken ist die klangliche Vorstellung eines Raumes wesentlich für Matthias Engelke:

„Eine solche „Raumvorstellung“ stand zum Beispiel am Beginn des Arbeitsprozesses von „Flow my tears“. Ein riesiger Raum sollte von einer leisen, kaum bewussten wahrnehmbaren klanglichen Atmosphäre durchflutet sein: nicht zu orten, nicht ohne weiteres zu definieren (harmonisch wie rhythmisch), omnipräsent. In diesem physischen wie klanglichen Raum sollten sich Sänger und Stimme bewegen, zwar umgeben von Raum und Atmosphäre, sich aber dennoch durch Präsenz und Ortbarkeit davon absetzen.“ Matthias Engelke

Eine gängige Praxis, um aus etwas Bestehendem etwas Neues zu schaffen, ist das Dekonstruieren. Matthias Engelke zeigt, dass das nicht unbedingt notwendig ist und man einen anderen Zugang finden kann. Diesen anderen Zugang findet Matthias Engelke über seine Arbeit mit Bühnenmusiken. Sie sind immer zeitlich und räumlich gebunden. Theater sind quasi die Spezialisten, wenn es um das Transformieren und Übersetzen von Stücken (Texten) in unsere heutige Zeit geht.

„Bei „Resonant Dowland“ war es mir ein wichtiges Bestreben zu erkunden, was die Songs von Dowland mit mir als heutigem Menschen zu tun haben, was dies Aufeinandertreffen der Musik aus einer völlig anderen Epoche mit meiner heutigen Ästhetik für eine Wirkung auf mich hat, ob sich meine Wahrnehmung und die Wirkung der verwendeten Bilder und Metaphern auf mich durch einen zeitgenössischen ästhetischen Rahmen verändert.“ Matthias Engelke

Eine Entdeckung für Dowland-Kenner und -Neulinge. Das Essay „Palimpsest“ von Christian Lemmerich ist allein schon die Anschaffung dieser CD wert.

Das Faszinierende an der Umsetzung von „Resonant Dowland“ ist der Kontrast der Stile, der keine Reibung im Sinne von Konflikt erzeugt, sondern eine Verschmelzung erreicht, die eine ungeahnte Selbstverständlichkeit hat. Unbedingt anhören!

Matthias Engelke from Stuttgart, Germany studied biology and chemistry. Besides he studied piano (classical and jazz) and developed a strong interest in electronic music. He works mainly as a composer for theatre- and dance productions. In his compositions, he often shows an interest in integrating analogue sounds in the context of electronically generated music. For ‘Resonant Dowland’ Engelke selected songs from Renaissance composer, singer and lutenist John Dowland. He embedded and integrated these solo vocals works in an electronic environment. Not however in the sense of background. The album is subtitled: ‘Songs for tenor and electronics’. For this project, subtitled ‘Songs for tenor and electronics’ seeks for another between the two. He is not the first one to confront this old music with modern idioms and techniques. John Surman and Barry Guy a.o. made a jazz-oriented version of some of his songs. Also, French guitarist, David Chevalier did this on his album ‘Dowland – a game of mirrors’ (2014). Engelke’s project is rooted in his biography. He is familiar with Dowland since his youth when his mother (flute) performed songs of Dowland. Engelke’s fascination for these songs by Dowland never ceased since. I own one CD of songs of Dowland by the Consort of Musicke that I play regularly. Each time I’m struck how ‘complete’ these songs in themselves are. They do not need any extra dimension or supplementary arrangements. The power is their intrinsic unity of melody and text. So it is a very daring and exceptionable project that Engelke is offering here. He created an encounter of the old vocal music with modern abstract electronics. Leading up to interesting contrasts and combinations. He chose for a selection of eleven songs taken from various song cycles composed Dowland. All are sung by a male solo voice. In most of the tracks, the use of electronics is very sparse like in the opening track. In other songs, he goes a bit further. Adding pulse driven electronics and doing electronic treatment of the vocal-like in ‘Come Again’. But the original song structure never is completely out of sight. Sometimes flashes of acoustical instruments occur, like the lute. Often the electronics sound very autonomous in relation to the melody and offer a space or environment creating its very own atmosphere. But more than that one experiences a fascinating combination of very different worlds. Very interesting and overall satisfying and enjoyable too.

This is a new release in the Sound Art Series on the German label Gruenrekorder. This is a work of German composer and sound artist, Matthias Engelke, who performs the songs of Renaissance composer John Dowland.
Engelke composes music for theater with analog electronic devices where music, sound, dance and movement interact.
Tenor singer hold the romantic Renaissance charm and brooding character of Dowland’s songs. As the electronic arrangements flow and weave a perfect symbiosis between two different worlds and different times. And here we can see how complementary they can be. For example, the rhythmic beats in “White as lilies was her face” perfectly match his playful nature. On „The lowest trees have tops“ the string arrangements give a ceremonial aura to a nostalgic song.
„Lady if you so spite me“ at times approaches the IDM genre with its emerging beats, while the singer coexists in a different space, as if he were in a parallel dimension.
This parallel and complementary dimension on paper is perhaps difficult to imagine, however the textures that occur between Renaissance song and current electronics allow for a surprising sound experience.

Ach, semper Dowland, semper dolens. MATTHIAS ENGELKE, manchen vielleicht bekannt als Hauskomponist der Choreographin Irina Pauls, vergegenwärtigt auf Resonant Dowland (Gruen 197 w/Booklet) den elisabethanischen Lautenisten und Songwriter John Dowland auf gleich mehreren Ebenen: Bildlich mit der Fotoserie ‚Licht/Light‘ von Gustav Franz, textlich mit dem Essay ‚Palimpsest‘ von Christian Lemmerich und den von Sadness, Sweetness, Darkness erfüllten Lyrics der einst in London oder für den King of Denmark angestimmten Songs, die, anders als ich sie etwa durch Deller Consort kenne, nun ‚for Tenor and Electronics‘ erklingen. Was immer tiefer in der Zeit versinkt und als Geschichte verkrustet, zoomt Engelke heran, ungeachtet dessen, dass von Love, Pleasure und Melancholia, wie sie die Lovers & Ladies um 1600 bewegten, nur der schöne Schall nachhallt, ob in ‚historisch informiertem‘ Retro als Countertenor-Kitzel, ob in der Aboutness Benjamin Brittens oder Stings. Das ist mit Gemeinplätzen wie ‚Liebe ist nur ein Wort‘ oder ‚Ich parshippe jetzt‘ doch schon alles durchgewunken. Das Stichwort ‚Palimpsest‘ lobt an Engelkes Resonanzen von ‚Weep you no more, sad fountains‘ über ‚Flow my tears‘ bis ‚In darkness let me dwell‘ die Courage des Überschreibens. Als Annäherung, die wie bei Ernst Jünger auf Berauschung abziehlt, mit Musik als deren Medium und Schlüssel, nicht in die Vergangenheit, doch jederzeit zu den sad fountains in uns. Der klassische Tenorgesang ist gebettet auf Keyboardklänge und auf Drones, zu elektroperkussiven Akzenten und gepixelten Beatketten. Bei ‚Go Crystal Tears‘ versucht ein Cello das Eis zu brechen, ‚White as lilies was her face‘ schwärmt groovy animiert, ‚Lady if you so spite me‘ fiebert Come kiss me sweet and kill me . Die heutige ‚Instrumentierung‘ und die anachronistische Manier, so zu singen, dass es sich aristokratisch oder mit Bürgerdünkel vom Volkston absetzt, das ergibt ne bizarre Paarung. Der ungenannte Sänger ist dennoch bemerkenswert, weil er weder knödelt noch mit Vibrato falsche Gefühle aufblustert. Dass Engelke die Stimme gelegentlich verdoppelt oder verhaspelt, befreit Dowland nicht so aus dem Gewohnten, wie etwa Bernhard Schütz Robert Schumanns Heine-Lieder oder Josef Bierbichler Schuberts ‚Winterreise‘ ins Volksvermögen zurückführen. Insofern, I must complain, yet do enjoy the songs. True hearts have eyes and ears… They hear, and see, and sigh, and then they break.

The Sound Projector
Time Stands Still / Ed Pinsent / The Sound Projector
Time Stands Still
German composer Matthias Engelke is here with an unusual item Resonant Dowland (GRUENREKORDER Gruen 197), on which he presents his interpretations of the songs and music of John Dowland, the Elizabethan English composer and lutenist, singer of melancholy love songs of the most exquisite and heartbroken sort.
Engelke is a skilled and experienced fellow with a wide variety of modes of expression, and is conversant with modern classical, early music, electronic, and jazz, and he has produced music for theatre and dance settings. His plan here is not simply to perform “straight” versions of Dowland songs set to an electronic / computer background (thankfully; otherwise this album might end up as kitsch as a Walter Carlos record of Bach or Mozart played on the moog). Instead, I think there’s something far more opaque going on, which I can’t quite fathom. Some of it might be conceptual, a notion of transplanting and rewiring content from the past into the context of the present, and indeed the booklet notes by Christian Lemmerich make much capital out of this intermingling and overlaying of historical data with contemporary modes, resulting in a curious palimpsest. The actual compositions of Matthias Engelke, realised here by digital/electronic means, are about as far away from Dowland as you could get; the melody is somewhat neglected, there’s no emotional expression (everything is rather cold), there are no chords or counterpoint, and each piece builds a nebulous framework of minimal sounds arranged in a strange mosaic fashion.
In this milieu – even the word “framework” is too strong and doesn’t capture the frailty of it – a male tenor voice floats in, delivering portions of a Dowland song with an apt precision and poise. This strategy seems to work best on the longer and slower songs, such as ‘Flow My Tears’ and ‘Grow Crystal Tears’, which eventually edge us ever-closer to the deep melancholic states that Dowland presumably intended to express. But under Engelke’s rules, we get there in a very hesitant, baby-steps manner, patiently building a musical thesis that is riddled with provisional statements and ambiguities. In short, the presence of Dowland floats like a ghost in this digital world, not sure how to interpret or understand what he sees, yet he’s prepared to try his best to make his songs understood before he dissolves back to the Golden Age. It may sound like my personal panel of jurors is still deliberating on this one, but at least I’m enjoying it more on today’s spin than when first encountered, when it seemed a bit…mannered.
Odd photos on the CD covers are by Gustav Franz, and come from a 2014 series of images he composed called Licht / Light. A somewhat untypical entry in the catalogue of this label, which tends to concentrate on field recordings, site-specific or environmental sound art.
Feardrop Denis Boyer

Le principe d’érosion est apparu assez tardivement en musique, avec le rock, tout d’abord de manière inconsciente, en soumettant la guitare à la distorsion par exemple. Puis peu à peu, le geste expérimental importé depuis la musique concrète s’est imprimé de manière méthodique sur une catégorie infime mais active des mutations du rock. Ainsi, certains ont joué physiquement avec le concept en enterrant le support, en le faisant voyager sans protection…

Avec l’avènement de l’outil informatique dans la musique électronique, beaucoup de musiciens dans les années 1990 se sont emparés de la notion d’accident numérique, jusqu’à en faire la matière dominante (je pense à Radboud Mens). Ils sont nombreux, qui se sont précipités sur cette méthode, beaucoup sans grande inspiration, mais certains sont considérés à juste titre comme des orfèvres du crépitement et du clic. Je pense à Ryoji Ikeda, à Alva Noto, à Mika Vainio… (Un souvenir de 2002 : ces trois-là jouant ensemble leurs accidents dans le cristal, après quoi je traversai Paris du nord au sud pour assister à un autre concert, celui de Whitehouse dont la musique est érosion pure…)

Mais tout cela, du clic le plus subtil au rugissement tonitruant de la rouille, c’est question d’une musique qui s’érode elle-même, se construit sur l’altération de ses propres sons. Le cas de Resonant Dowland est absolument différent car il prend au pied de la lettre cette notion d’érosion. S’érode ce qui est ancien, qui est usé par la patience des éléments, se corrode ce qui a subi l’assaut répété de l’oxydant sur sa partie métallique. En un mot, c’est l’effet du temps. Alors, voici un musicien, Matthias Engelke, qui applique son geste, celui du 21e siècle technologique, à des pièces chantées des 16e et 17e, composées par John Dowland. Pour l’essentiel sans autre matériau de base que la voix d’un ténor (dont le nom est malheureusement absent) chantant les chansons de John Dowland, Mathias Engelke organise sa colonisation, sa corrosion en prenant soin de ne jamais masquer cette voix. Il l’accompagne, parfois la fait trébucher, lui fournissant une manière d’écrin minéralisé, un canevas de clics tissés, de boucles et de gestes doucement percussifs. Tel qui découvre une gravure ou un meuble resté longtemps dans un grenier constatera de la même manière l’apparition d’écailles, de rousseurs, dont certaines, loin de déparer l’objet, semblent former motif. Donc jamais la voix ne disparaît sous la patine ainsi appliquée – même si elle se trouve parfois altérée – , et Dowland reste, et dans la lettre et dans l’esprit, la vedette du disque. Pour autant, il serait injuste de qualifier le travail d’Engelke de gadget. L’oreille attentive aux multiples incursions insectoïdes et décorations électroniques pourra tout aussi bien reconstruire un environnement pictural surréaliste à ce chant de ténor, en respirer les pauses comme lors d’un concert de R. Ikeda. Reste pourtant le problème de la compatibilité de chacun avec ce genre d’exercice ; certains y verront brillante hybridation, d’autres dégradation – après tout on est en droit de n’accepter que l’œuvre de Dowland intouchée –, c’est question de rapport à la modernité, ou plutôt à la postmodernité, dont on a vu, il faut le souligner, des manœuvres bien moins habiles.

 Denis Boyer

Matthias Engelke – Resonant Dowland